In Chile angekommen
Hallo liebe Freunde,
so, jetzt bin ich in Chile :-)
Ich bin am 17. 12 um 2:30 mit Sergi in einem superluxurioesen Reisebus losgefahren. Superluxurioes, weil wir ganz vorne im obersten Stock sassen, der Sitz super war, man die Beine ausstrecken konnte und wir sogar einen Jack Norrisfilm gesehen haben (nebenbei, kennt ihr schon den: Jack Norris ist der einzige Mann, der vor seinem Vater entjungfert wurde! Den fand ich besonders suess, den hat mir ein Deutscher erzaehlt, am vorletzten abend in Cusco).
Die Landschaft war mal wieder atemberaubend, erst die wohlbekannte andine Berglandschaft in ca. 3400 m Hoehe, dann ging es bergauf, ueber 4000 m, und es ist kurzzeitig ganz schoen frisch geworden (nicht weit entfernt lag sogar Schnee), bis dann zum Glueck die Heizung anging (ein Luxus, den wir auf der Busfahrt von der Selva nach Cusco nicht hatten und uns den Arsch abgefroren haben). Und dann bin ich immer mal wieder fuer ne halbe, mal fuer n paar Minuten eingeschlafen. Als es hell wurde habe ich die Vorhaenge aufgezogen und durch das Risenfenster wie im Kino eine voellig neue Landschaft gesehen: sandfarbene felsige Berge soweit das Auge reichte. Hin und wieder Doerfchen, aber alles ziemlich kahl abgesehen von ein paar Kaktussen. Dann ging es weit bergrunter, und es wurde immer verwuesteter, im Sinne von Wueste. Da lag dann Tacna vor uns. Tacna ist schon groesser als Cusco und liegt ziemlich in der Wueste, aber das Meer ist gut erreichbar, wenn auch nicht sichtbar, wegen der riesigen Sandduenen drumherum. Tacna liegt im Sueden Perus, sehr nahe der chilenischen Grenze. Wir nahmen also vom Busbahnhof aus ein Taxi bis nach Arica (an der chilenischen Kueste): An der Grenze wieder der uebliche Papierkram: ausfuellen, einreichen, kontrolliert werden, von Beamten komisch angeschaut werden um sich dann zu fuehlen wie ein Terrorist.
In Arica haben wir dann ein billiges Hotel gefunden, was sehr relativ ist. Fuer deutsche Verhaeltnisse ist das immernoch sehr billig, fuer peruanische Verhaeltnisse (die ich ja jetzt gewoehnt bin) ist das sehr teuer. Auch die Wehrung traegt einen gewaltigen Teil zu diesem "ach du sch.. ist das teuer-Schock" bei, denn 1 Euro sind 680 chilenische Pesos! Das hoert sich auch einfach viel teurer an. In Peru ist 1 Sol 1/4 Euro. Aber es ist auch teurer, ich habe schon gehoert, dass Chile das teuerste Land Suedamerikas sei. Jetzt bin ich halt ganz ganz sparsam. Beim Mittagessen habe ich mein Broetchen nicht geschafft, das wird mein Abendessen sein ;-)
Ausserdem bin ich jetzt 2 Std vorgerrueckt, d.h. jetzt bin ich von Deutschland nur noch 4 Stunden auseinander.
Weihnachten werden wir in der chilenischen Wueste Atacama verbringen, Silvester in Valparaiso, das ist an der Kueste. Daneben liegt Viña del Mar, wo es wunderschoene Straende gibt.
Chile ist irgendwie anders als Peru, aber ich kanns noch nicht so in Worte fassen, vielleicht sind es die Haeuser, die Wuestenlandschaft, die es in ganz Nordchile gibt, das tropische Klima, die Kaktusse und Palmen (die es in Peru in manchen Teilen bestimmt auch gibt) oder die Frauen die hier etwas selbstsicherer mit kurzen Roecken und Stoeckies in der Gegend rumlaufen. Viele Leute haben hier lockige Haare (sehr huebsch), es gibt hier auch mehr hellhaeutigere Menschen als in Peru (sagen wir mal Cusco, das kenne ich besser, andere Teile Perus koennen ja wieder anders sein).
Tja, es ist noch einiges zu tun, Stadtbesichtigung, usw.
Bis bald, eure Nayra
[ 6:08 ] [ 18.12.2007 ] [ 23 Kommentare ]
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Planaenderung
Fotos: http://picasaweb.google.com/nayrachichi
Hallo alle zusammen,
wie der Titel schon verraet, habe ich meine Plaene geaendert. Ich werde mit Sergi, einem Catallanen, ebenfalls Freiwilliger, von Montag dem 16 Dezember bis anfang Maerz durch Suedamerika reisen. Sergi ist 31 jahre, Psychologe und oh Wunder, er ist bereit mich fuer diese Zeit auszuhalten. Ich finde es toll jemanden gefunden zu haben, der schon mehr Erfahrung im Reisen hat und mich mitnimmt, wir verstehen uns gut. Er ist eher ein ruhiger Zeitgenosse, auf jeden Fall eine angenehme Begleitung. Zur Rute: erst werden wir runter nach Chile einreisen, dort Weihnachten in der Wueste und Silvester am Strand verbringen. Werden Santiago de Chile besichtigen und dann in den Norden Argentiniens einreisen. Von dort aus nach Buenos Aires und weiter in den Sueden, dort die Berge besichtigen. Vom Sueden aus an der Kueste des Kontinents rechts nach oben, nach Uruguay und dann nach oben nach Paraguay, von dort aus wieder nach Argentinien rein und schauen wieviel Zeit noch bleibt. Falls noch etwas davon uebrig ist, vielleicht nach Bolivien.
Im Maerz kommt dann Johannes und wir werden einen Monat durch Peru reisen, von dem ich ja auch nicht so viel gesehen habe. Im April, am 4.4.08 werde ich vorraussichtlich wieder mit Johannes nach Deutschland fliegen.
So, geschockt? Ich koennte euch noch ganz andere Dinge erzaehlen ;-) (spass)
Ueber Machu Picchu zu berichten habe ich gerade keine Zeit, muss noch viel packen. Auf jeden Fall erzaehle ich euch noch ausfuehrlicher darueber, entweder im Blog oder eben in der Heimat. Es war auf jeden Fall sehr beeindruckend, und die atemberaubende Landschaft macht all die Anstraengung die ich beim Wandern hatte (schlechte Kondition, unsportlich ect.) wieder wett. Der Sternenhimmel war wunderschoen, ich wusste nicht, dass es so viele Sterne gibt. Machu Picchu selbst war beeindruckend, und all die Dinge, die uns die Fuehrer berichtet haben, ueber die Inkakultur hat mir sehr viel gegeben. Ich werde mich in diese Richtung bei Gelegenheit weiterinformieren, es ist faszinierend.
Dann war ich noch 10 Tage in der Selva, ich weiss gar nicht, wie das richtig zu uebersetzen ist, Regenwald, Urwald? Die Busfahrt dauerte 10 Stunden und es ging runter. Das Klima ist so anders als in Cusco, wo man staendig trockene Haut und sproede Haare hat. In der Selva laeuft man staendig mit einem feuchtem Film auf der Haut rum, es ist ein wundervolles Klima fuer mich, auch wenn es regnet ist es nicht kalt, und in der Nacht wartet man vergeblich auf Kaelte. Wenn die Sonne scheint, ist es kaum auszuhalten, selbst mir hat das es einen schmerzhaften Sonnenbrand eingebracht. Duschen kann man dort nur kalt, aber das finde ich angenehmer als in Cusco warm zu duschen, Strom ist in 10 Tagen 4 mal ausgefallen. Vier Freiwillige und ich sind in die Selva gefahren um ein anderes Projekt unserer Organisation zu sehen, dort haben wir auch gewohnt. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was diese Freiwilligen dort ganz allein aufgebaut haben. Die Kinder dort kommen alle aus entfernten Gebieten aus der Selva, und da es nur wenige Schulen gibt und die Gebiete oft 5 Stunden auseinander liegen haetten diese Kinder keine Chance auf Bildung ohne dieses Heim. In die Kinder habe ich mich richtig verliebt, keine 2 minuten und sie steigen einem auf den Kopf und kuessen dich. Sehr liebe Kinder, und alle verlaust! Naja, auch wenn ich viel Koerperkontakt mit ihnen hatte, haben mich die Biester verschohnt (ganz im Gegensatz zu den anderen zwei Frauen, die dabei waren). Wo ich gerade bei Biestern bin: es gibt dort Viecher, die ich noch nicht mal auf Bildern gesehen habe! Bunte Riesenraupen, wunderschoene blaue, leuchtenden Schmetterlinge, Schlangen, Kakerlaken von 30 cm laenge, Papagaie, Spinnen, komische Insekten, von denen ich nicht wusste, ob ich eher Angst haben sollte oder sie mir aus der Naehe anschauen sollte, oh, und kitzelige Pflanzen! Kennt ihr noch die fetten Riesenmaden aus dem Walt Disneyfilm Koenig der Loewen, das Wildschwein und die komische Ratte haben die aus den Baeumen gezupft und genuesslich verspeist. Genau die Viecher haben wir in ihrem eigenen Fett gebraten und gegessen, mit etwas Salz gar nicht mal so schlecht. Ein Maedchen aus dem Heim isst sie immer lebend. Dieses Maedchen hat einen Vater, der Schamane ist. Der hat den freiwilligen Arbeitern des Heims und uns angeboten eine Ayawaskareinigung durchzufuehren. Ayawaska ist ein Kraut, das auf den Bergen der Selva waechst und auch angebaut wird, es gibt da verschiedene Sorten. Die Schamanen bereiten daraus einen Saft, der eine halluzinogene Wirkung hat und sowohl den Koerper als auch den Geist von Unreinheiten befreien soll. Daher ist es nichts ungewoehnliches, wenn man waehrend des Rituals kotzen muss. Es wird empfohlen den Tag ueber nichts zu essen, das Ritual wird abends durchgefuehrt, wobei seltsamerweise (so behauptete der Schamane) immer ein Ayawaskagewitter aufkommt.
Insgesamt waren wir 9 Leute, wir setzten uns auf Matratzen in eine Art offenes Bungalow, ausgestattet mit Decken, Wasser und einer grossen Kotzschussel. Der Schamane hatte eine kleine Holzschale von der er jedem zwei Schaelchen zu trinken gab, es schmeckte nicht wirklich gut, schlimmer als Chicha. Dann zuendeten wir eine Kerze an, sonst gab es kein Licht, weit und breit. Der Schamane fing an zu singen und es herrschte eine heilige, erwartungsvolle Stimmung, spaetestens als der Gesang begann, zweifelte ich nicht mehr daran, dass dieser Mann tatsaechlich ein Schamane ist, der etwas davon versteht, es war sehr schoen. Dann gab er eine dritte Runde aus, auch danach dachte ich; okay, halluzinogene Wirkung ist dann halt nicht bei mir.
Doch dann ist mis schlecht geworden und es ging los, kotzen musste ich zum Glueck nicht, aber ich habe Farben, Formen und Riesenungeziefer gesehen, habe mich gefuehlt wie ein Topf und wie Gummi. Gehen ist wie schweben, auf jeden Fall lustig
So, ich hab mich mal wieder in Erzaehlungen verloren, ich werde jetzt weitermachen muessen mit packen. Seid nicht zu arg geschockt von mir, es geht mir gut, und Ayawaska ist nicht gefaehrlich, es ist Medizin, viele Leute mit Geschwueren schwoeren darauf.
Machts gut, ich drueck euch ganz fest,
Eure Nayra
[ 8:25 ] [ 16.12.2007 ] [ 3 Kommentare ]
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Wer hat sich meinen Kaese genommen?
Fotos: http://picasaweb.google.com/nayrachichi
Hallo an alle!
Ich habe mir hier vor einiger Zeit mal gedacht: mein Spanisch macht hier nicht wirklich Fortschritte, also habe ich mir zwei Buecher gekauft, die mir ein paar Einhimische empfohlen haben: Die Fabeln vom Kaese. Teil 1 heisst: Wer hat sich meinen Kaese genommen? Teil 2 heisst: Ich habe mir deinen Kaese genommen!
Wie dem auch sei, vorne in Teil 1 steht ein Gedicht, dass zu meinem jetzigen Lebensgefuehl passt wie die Faust aufs Auge. Damit ich auch euch ein bisschen davon abgeben kann habe ich es hier fuer euch, einmal auf Spanisch, einmal auf Deutsch in meinem Blog verewigt:
La vida no es ningun pasillo recto y facil
que recorremos libres y sin obstaculos,
sino un laberinto de pasadizos,
en el que tenemos que buscar nuestro camino,
perdidos y confusos, detenidos,
de vez en cuando, por un callejon sin salida.
Pero, si tenemos fe, siempre se abre
una puerta ante nosotros;
quiza no sea la que imainamos,
pero si sera, finalmente,
la que demuestre ser buena
para nosotros.
A.J. Cronin
Das Leben ist kein gerader und leichter Gang
durch den wir frei und ohne Hindernisse laufen,
sondern ein Labyrinth aus Passagen,
in dem wir unseren Weg suchen muessen,
verloren und verwirrt, gefangen,
manchmal in einer Einbahnstrasse.
Doch wenn wir Glauben haben, oeffnet sich immer
eine Tuer vor uns;
vielleicht nicht die, die wir uns vorgestellt haben,
aber letztenendes die,
die sich fuer uns als gut heraustellt.
Ich habs mal so uebersetzt, wie es mi richtig erschien, bin aber ueber Verbesserungsvorschlaege nicht boese ;-)
Ansonsten ist alles okay. Vom 9. bis zum 12 November mache ich meinen Machu Picchu Trip zusammen mit Israel, einem mexikanischen Freiwilligen, der auch bei Chaska Wasy arbeitet. Nacher, um 2 muss ich noch arbeiten, bis um 8. Bis dahin schlendere ich ein bischen durch die Stadt, esse ein Menue fuer 2 Soles und trinke einen Combinado (Saft, frischgepresst) fuer 1,50.
Oh ach ja, ich habe mir recht spontan zwei Dreads zu meinem Band in die Haare machen lassen und glaube ich mache mir den ganzen Kopf voll. Und ich lasse mich von niemandem davon abhalten, versuchts erst gar nicht, ich bin in Aenderungslaune, abenteuerlustig, absolut verspielt, unberechenbar!!!
Liebe Gruesse an euch, hab euch alle lieb!
Bis bald, eure Nayra
[ 5:41 ] [ 31.10.2007 ] [ 6 Kommentare ]
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lebe noch!
Fotos: http://picasaweb.google.com/nayrachichi
Hallo meine lieben (unvergessenen) Freunde!
Ja, ich weiss, ich haette mich frueher melden sollen, es gibt dafuer keine gute Entschuldigung, es tut mir leid. Wobei Ollis Idee mit den Taxifahrern gar keine schlechte Geschichte waere... hmmm, aber nee, ich bin mal lieber ehrlich.
Wo fang ich nur an? Der letzte Stand war: ich freu mich auf Johanna, juhu, juhu.
Johanna war da, allerdings nur fuer eine Woche. Sie wollte urspruenglich mindestens bis Weihnachten bleiben. Doch sie hat gesundheitliche Probleme bekommen, die sich soweit verschlimmerten, dass sie nach einer Woche ziemlich geschwaecht wieder nach Deutschland zurueckgeflogen ist. Doch die Zeit, die sie da war, fand ich wirklich wunderschoen. Wir waren abends Salsa tanzen, lecker essen, haben uns toll unterhalten und einfach ganz unkompliziert das Leben genossen. Ihr Entschluss zu gehen kam schon ein wenig ueberraschend, da ich dachte, dass sich das schon legt, dass es sicher von der Hoehe kommt, wie bei so vielen.
Waehrend der letzten Tage, in denen Johanna noch da war bin ich dann krank geworden. Hatte heftige Halsschmerzen und kaum Stimme. Das hat sich dann stetig verschlechtert. Ich habe mir weiter keine Sorgen gemacht, das haben alle zu dieser Jahreszeit, das kam sicher vom Klimawechsel und von den ganzen kranken Kindern im Heim.
Als Johanna dann weg war habe ich erst gemerkt, wie schoen es fuer mich gewesen waere, wenn sie geblieben waere. Ich habe mich wirklich toll mit ihr verstanden, sie ist lieb, intelligent, ehrlich, unkompliziert und ein richtiger Kumpeltyp. Mit der Familie bin ich zwar auch ausgekommen, aber sie sind sehr oft weg, und oft im Stress. Ich habe mich ploetzlich einsamer gefuehlt, als in der Zeit, in der Johanna noch nicht da war. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst umzuziehen. Zudem hat fuer mich Unabhaengigkeit eine grosse Rolle gespielt. Ich wollte wissen, wie es ist, auf sich allein gestellt zu sein, d.h. allein Essen besorgen, allein den Tag zu gestalten. Vielleicht ein bisschen mehr mit Freunden zu machen, kochen, nen Film ansehen usw, das konnte ich z.B bei der Familie nicht.
In der Salsabar, in der Johanna und ich oft tanzen waren, habe ich einen Peruaner und seine Freundin kennengelernt, die mir ein Zimmer in ihrer Wohnung zum vermieten angeboten haben. Ich habe mir die Sache angesehen und entschieden, dass ich da wohnen will. Sozusagen, die erste Wohnung die ich mir selbst ausgesucht habe, ein schoenes Gefuehl ;-)
Der Vermieter, dieser Peruaner, heisst Manuel, seine Freundin Carolina, eine ziemliche Zicke (wenn sie Beziehungsstress haben wird sie hysterisch, greift zum Fleischmesser, das ich gekauft habe und nimmt es dann auch noch mit, eine Frechheit). Es wohnt noch ein weiterer Peruaner namens Michael (ausgesprochen Maikol) dort, ein Boxer der frueher auch beim Militaer war. Er arbeitet wie Manuel fuer eine Disko, allerdings als Tuersteher, er ist ziemlich Muskelbepackt und gross, nebenbei unterrichtet er auch in einem Fitnessstudio. Er ist nett und nennt mich immer Schwesterchen, weil ich seiner Schwester aehnel, und so behandelt er mich auch. Sei es beim Ueberqueren der Strasse (wo er mich wie ein Kind festhaelt) oder wenn ich mich mit einem "fremden Mann" unterhalte (und er schaut, als ob ich was unanstaendiges tu und mich spaeter geduldig aufklaerend warnt) oder wenn ich abends weggehe und er moechte, dass ich bevor ich gehe noch bei ihm vorbeischaue um zu zeigen, dass ich noch lebe. Dann gibt es da noch einen Englaender, der aber fast nie Zuhause ist. Alle sind unter 26, es ist fast immer gute Stimmung, Musik, jemand der isst, das macht es fuer mich heimelich.
Ich habe ein cooles, grosses Zimmer, an das eine Art Wintergarten angeschlossen ist, mit undurchsichtigem Glas. Das ist besonders cool, weil ich viel Platz hab und es immer schoen warm ist, da sich der Wintergarten aufheizt. Ausserdem habe ich eine tolle Aussicht, weil das ganze im obersten Stockwerk ist. Nach dem Duschen gehe ich immer da hin um mich wie in einer Sauna aufzuheizen. Mit dem Klo hatten wir schon 2 mal heftige Probleme, da kam das Wasser im ersten Stock der Wohnung durch die Decke und oben stand alles unter Wasser. Das passiert aber nur, wenn man den Abzug nach dem Spuelen nicht wieder nach oben drueckt.
Zurueck zu meiner schlimmer werdenden Erkaeltung. Inzwischen war ich nicht mehr arbeiten, da ich morgens einfach keine Stimme hatte. Ich habe zur gleichen Zeit einen Californier (Brian 33 jahre) kennengelernt. Wir waren beide froh darueber, da wir uns toll unterhalten konnten, einfach auf einer anderen Ebene als mit den Menschen die man sich so abends in der Disko zu "Freunden" macht. Wir waren dann auch einmal mit anderen Freunden chinesisch essen. Ein Fehler, wie sich spaeter rausstellte, ich habe mir meine bis dahin uebelste Magenverstimmung eingeholt. Ich bin innerhalb von 2 Stunden so krank geworden, dass Brian mich bei sich im Hotel hat hinliegen lassen. Als es mir nicht besser gehen wollte, hat er mich in eine Klinik geschleppt. Der Arzt war ueber die Magenverstimmung weniger besorgt, hat mir allerdings strengstens Antibiotika fuer meine anfaengliche Bronchitis verordnet. Aber mit dem Magen hatte ich wesentlich mehr zu kaempfen. Ich hatte einen dermassen schwachen Kreislauf, das ich nicht aufstehen konnte ohne Schwindel und Uebelkeit. So kam es, dass ich lange Zeit bei Brian im Hotel gewohnt habe, der in seinem Zimmer drei Betten hatte. Er hat sich sehr lieb um mich gekuemmert, mich immer aufgeweckt, wenn es Zeit war fuer eine der vielen Pillen, denn ich hab wahnsinnig viel geschlafen ohne wirklich wach zu werden, wahrscheinlich hat mein Koerper das einfach gebraucht.
Tja, und als es dann fuer mich gesundheitlich wieder bergauf ging, ging es bei Brian, der sich bei mir angesteckt hat immer steiler bergab. Eigentlich gemein, oder? Da hilft man wem und das ist der Dank. Naja, und da hab ich mich dann um ihn gekuemmert: Tee gekocht, auf die Medikamentenuhr geschaut und Essen besorgt, Waesche zur Waescherei gebracht usw. So kam es, dass ich spontan erstaunlich lang bei einem eigentlich Fremden geblieben bin. Was die Leute aus meiner WG gedacht haben, will ich gar nicht wissen;-) Ich sehe das als Glueck, er war naemlich echt eine Art Schtzengel, ich war so dankbar das er da war. Auch wenn es wahrscheinlich irgendwie auch ohne ihn gegangen waere, wenn ich krank bin, bin ich froh, wenn jemand da ist, ich hab mich fast gefuehlt wie bei Oma oder Mama, eben aufgehoben. Brian ist vor einer Woche wieder zurueck nach Californien geflogen, kommt aber vielleicht Ende November wieder.
Ansonsten geht es mir eigentlich ganz gut. Hier in Cusco kommt man sehr leicht ins Gespraech, macht sich Freunde. So habe ich z.B Paul kennengelernt, der beim Ueben von Skateboardtricks den einzigen Hahn seiner Mutter getoetet hat, oder Paul Nr2, der Koch lernt um nach Kanada auszuwandern, oder Enzo, der sehr gut kubanisches Salsa tanzt und ausserhalb der Tanzflaeche unglaublich zurueckhaltend ist. Er geht oefters mal mit mir tanzen, mir gefaellt seine schuechterne, extrem respektvolle Art. Inzwischen hab ich auch ganz schoen viel Salsakenntnisse mehr als am Anfang. Oh, und Niko, ich war mit ihm und einem Freund in Saqseiuaman (mit der Schreibweise irre ich mich wahrscheinlich), einem Ort ausserhalb der Stadt. Sehr viel andine Natur und das ganze ist eine verschuettete Stadt aus Praeinkazeiten, die sie nach und nach ausgraben und teils wieder zusammensetzen. Wir liefen zu einem riesen Felsenkomplex, ein wunderschoenes Hoehlenlabyrinth. Am anfang war mir das sehr unheimlich, manche der Hoehlen sind sehr eng und fuehren steil nach unten oder nach oben, doch nach und nach hat das meine Abenteuerlust geweckt und wir sind da Stunden herum gekrochen wie begeisterte Kinder im besten Abenteuerspielplatz der Welt. Es war wunderschoen, wenn von oben die Sonne reinschien und es am Ende der Hoehle einen orangenen Schimmer gab.
Dann habe ich noch eine Schweizerin (deutsche Schweiz) namens Nina kennengelernt, mit der ich super auskomme, die hab ich richtig gern. Alle die mich kenne wissen, dass ich nicht so der Maedchentyp bin, ich bin was Freundinnen angeht glaub ich anspruchsvoll, aber als ich gar kein Maedel mehr in meiner Umgebung hatte, wusste ich auf einmal, dass es mich nach einer Freundin verlangt. Ich habe also alle Kumpels die ich hier hatte auf Mission "Freundin finden" geschickt. Das war sehr oft enttaeuschend, ich habe einige deutsche Maedels kennengelernt, die ich absolut aetzend fand. Die hatten oft was absolut gelangweiltes an sich, sowas von uninteressiert mit einem Schuss von Ignoranz und Gleichgueltigkeit fuer Dinge die mich interessieren. Nina ist da ganz anders, die muss man nicht immer wieder zu einem Gespraech zwingen, die ist von sich aus redselig und total liebenswert, einfach angenehm. Ich treff mich oft mit ihr zum Salsatanzen, Essen oder Schoppen. Auch sie arbeitet als Freiwillige, jedoch nicht in meiner Einrichtung.
In der Arbeit geht es mir ganz gut, heute war Tag der Behinderten. Wir sind mit der ganzen Truppe durch die Strassen um die Plaza de Armas gegangen, die Kinder wie bei jedem Event kitschig verkleidet, es war schoen (anstrengend, da einige immer fluechten wollen).
Es faengt mir nach 2-3 Wochen wieder an richtig gut zu gehen. Ich bin nicht mehr so rastlos, lebe oefters mal einfach in den Tag hinein, geniesse all die kleinen Rituale, die ich liebe und sicher vermissen werde, wenn ich wieder nach Hause muss. Z.B morgens, vor dem arbeiten an einem gutbesuchten Stand neben einer Tankstelle mein Quinua zu trinken und ein riesiges Stueck Torte dazu zu verdruecken, ein leckeres Fruehstueck fuer 1 Sol (25 Cent). Oder mittags, wenn ich nix zu tun habe einen Jugo (frischen Fruchtsaft) in der Markthalle zu trinken, immer eine neue Kombination. Da stehen dann ganze Reihen von Frauen, die mit ihren Zeitungen winken und dir zurufen: "Mamasita, komm hier her, ich mach dir einen leckeren Saft." Was ich auch liebe, sind die Kinder hier, die sind staendig am spielen und kennen keine Zurueckhaltung vor Fremden. Mir wird Deutschland danach richtig kinderlos vorkommen, deutsche Kinder sind naemlich entweder im Kindergarten oder Zuhause, die witschen nicht in Scharen im Gesicht verschmiert zwischen den Staenden auf dem Markt herum. Es ist hier ueblich mit ihnen zu reden, ihnen mal was zu essen abzugeben oder ihnen im Vorbeigehen ueber den Kopf zu streichen. Auch die Musik gefaellt mir hier sehr, es gibt einige Lieder, wie in Deutschland die Charts, die ueberall zu hoeren sind, einige von denen find ich so toll, dass sie richtige Gluecksgefuehle in mir ausloesen. Ich gehe hier auch oefters mal in Einheimische Diskos/Bars, die mir die Einheimischen zeigen. Das ist insofern kein Problem, da ich aussehe, wie eine Peruanerin. Es passiert manchmal, dass Leute misstrauisch auf mich reagieren, wenn ich erzaehle, dass ich Deutsche bin, die glauben, ich sei aus Lima und will mich nur interessant machen. Auch oder vorallem Auslaender glauben, ich sei von hier. Es ist dann sehr lustig Deutsche zu hoeren und zu sehen, wie sie so ueberhaupt keine Ahnung haben, dass ich aus ihrem Land komme. Ich fuehl mich deshalb irgendwie getarnt, es gefaellt mir und ich habe kein Beduerfnis mich zu outen.
Ebenfalls ein Phaenomen sind hier die sogenannten Bridgeras. Das sind junge, huebsche einheimische Frauen, die sich an reichaussehende, glatzkoepfige "Gringos" ranmachen, die total auf diese exotischen, agressiven Frauen abfahren. Dann kann es schnell dazu kommen, dass der Typ nach einem mit einer Pille versetzten Drink am naechsten morgen allein in seinem Bettchen aufwacht und alle seine Wertsachen bereits auf dem Weg zu einem neuen Besitzer auf dem Schwarzmarkt (Baratillo) sind. Oder aber es laueft alles harmloser ab, denn diese Frauen arbeiten teilweise auch feur die Turistendiskos um die Plaza de Armas. Sie machen irgendeinen Typen heiss und bitten ihn dann um einen Drink nach dem anderen. Die hinter der Bar kennen die Frauen und geben in ihre Getraenke nur wenig Alkohol, damit die viel trinken koennen, verlangen aber von den ahnungslosen Maennern den selben Preis. Raffiniert, gell?
So, ihr merkt, es wird langsam zusammenhangslos, ein Zeichen aufzuhoeren.
Ich hab euch lieb und denk oft an euch. Eure Nayra
[ 12:12 ] [ 17.10.2007 ] [ 7 Kommentare ]
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Schoener Tag
Hallo,
ich muss jetzt einfach mal loswerden, was ich gestern alles erlebt habe. Nachdem ich eine halbe Stunde versucht habe, einen Markt zu finden, der nur 5 Minuten von unserem Haus entfernt liegt, bin ich endlich an mein Ziel gekommen: Die "Jugeria" (Saftladen). So gute und guenstige Saefte gibt es in Deutschland einfach nicht. Sauerkraut hin, Spaetzles her, der Saft hier toppt einfach alles!!!
Wieder zu Hause angekommen war ich sehr satt (nach 4 grossen Glaesern voll dickem, frischgepresstem Saft kein Wunder) und es gab Essen. Danach dachte ich, ich werde nie wieder in meinem Leben Hunger haben koennen.
Anschliessend fuhren wir (Gastvater- und Mutter) Rommy in ihren Lesekurs und gingen, um nicht eine Stunde im Auto warten zu muessen, auf den Flohmarkt. Bisher kannte ich nur den Flohmarkt in Stuttgart, doch dieser Flohmarkt hier in Cusco ist wirklich anders. Es ist sehr voll und eng. Es wird alles moegliche verkauft: Autoersatzteile (nicht zu knapp), leere Bierflaschen (warum auch immer!?), Kleidung, Fernseher und andere elektronische Geraete, gebrannte DVD und viel Essen. Meine Gasteltern warnten mich: pass gut auf deine Sachen auf, hier treiben sich ne Menge Diebe rum. Zwar haetten sie noch nie gesehen, dass so etwas passiert, auch selbst blieben sie bisher davon verschon, doch es passiere immer wieder.
Ich war sehr wach, schon allein das Gedraengel machte mich nervoes. Ich habe auch schon gehoert, dass kuenstliches Gedraengel, verursacht von ein paar Dieben, eine beliebte Methode ist, um Verwirrung, Panik und Unachtsamkeit auszuloesen, denn so kann man leicht beklaut werden. Oder jemand provoziert dich, spuckt dich von hinten an und waehrend du anfaengst zu diskutieren, ist ein anderer an deiner Tasche.
Ich schaute so in der Gegend rum (ein bisschen die Leute anschauen schadet ja nicht) und sehe eine junge Frau in einem Jeansmantel. Sie sieht sich an einem Stand mit einer Freundin die Sachen an, sie lachen und beugen sich darueber. Neben dem Jeansmaedchen steht ein unauffaelliger Typ, duenn, klein und mit einem schwarzen Wuschelkopf. Er greift in die Seitentasche ihres Mantels und zieht einen pinken Geldbeutel heraus.
Ich war noch gar nicht so recht dazu gekommen, vom Schauen zum Denken ueberzugehen und nahm eine Sekunde lang an, dass der Typ und das Maedchen zusammen gehoeren und er nur mal eben ihren Geldbeutel brauchte, um etwas zu bezahlen. Doch dann wurde ich stutzig, als der Typ, ohne hinzusehen, den Geldbeutel einsteckte und weiterging. Schlagartig war mir klar, dass er sie eben beklaut hat! Mir wurde heiss und kalt und ich wusste zuerst gar nicht, was ich machen sollte, niemand sonst hatte es gesehen. Es passierte auch so schnell und unauffaellig, unglaublich!!!
Ich packte Miluz (meine Gastmutter) am Arm und sagte ihr noch ziemlich erschrocken, dass der Typ, der schon fast ausser Sichtweite war, eben das Maedchen beklaut hat. Sie meinte darauf hin: "ja wirklich? Lauf einfach weiter!". Das hat mich nochmal geschockt. Schon mal was von Zivilcourage gehoert??? Es kam ein Strom Leute vorbei und der Typ war verschwunden, das Maedchen hatte noch nicht einmal bemerkt, dass ihr etwas gestohlen wurde. Miluz erklaerte mir spaeter, dass jeder wisse, dass man seine Sachen nicht so sorglos in der Tasche tragen solle, sondern immer dicht am Koerper. Ausserdem werden manche Diebe dann sauer und schlagen dir mit Rasierklingen zwischen den Fingern ins Gesicht, wenn du versuchst etwas zu tun. Die sind ja nicht alleine, die haben Freunde an jeder Ecke und reichen das Diebesgut weiter, ehe du dich versiehst.
Im Auto lachen sie darueber, dass ich sowas bei meinem ersten Flohmarktbesuch erlebe, und sie noch nie! Ich muss auch darueber lachen, obwohl mir ein bisschen mulmig zumute ist. Das ist doch total unheimlich, du merkst nicht, wie jemand in deine Tasche greift! Das war mir die beste Lektion, ich werde ab jetzt immer wach durch die Gegend laufen.
Miluz und Jhon erzaehlen mir auch ein wenig ueber das Gesetz in Bezug auf Straftaeter. Der Machismus reicht sogar dort hinein. Ein Beispiel: Ein Mann wurde eines abends von Geraeuschen wach und ertappte einen Dieb mit einem Messer in der Hand. Da er ihm gefaehrlich wurde, schoss er dem Dieb ins Bein. Die Polizei kam und beide mussten aufs Revier. Doch wem der Prozess gemacht wurde, war der Hausherr, da die Chancen nicht gleichstanden. Der Dieb hatte "nur" ein Messer, der Hausherr haette sich also mit einem Messer, statt mit einer Pistole wehren muessen. Er verlor den Prozess!!! Das ist doch unglaublich, oder???
Ein weiteres Beispiel: Ein Mann bemerkt, dass sich Maenner auf seinem Grundstueck (die sind hier alle bestens durch Draehte und Mauern geschuetzt) rumtreiben (das macht hier keiner zum Spass) und ruft die Polizei. Diese erwischen die Maenner, als sie sich gerade unter einem Auto verstecken wollen. Bei der Polizei fragt man den Besitzer des Grundstueckes, ob etwas gestohlen wurde oder jemand verletzt wurde. Als dieser verneinte, schaute die Polizistin ihn entnervt an und fragte, wo das Problem liege. Die Maenner mussten keine Konsequenzen fuerchten.
Ausserdem wird hier ein Diebstahl erst ab tausend Soles ernsthaft bestraft. Fast niemand traegt hier auf der Strasse soviel mit sich herum, das ist hier unheimlich viel!
Das heisst, dass Diebe hier ein leichtes Spiel haben und allen uebrigen nur die Defensive bleibt.
Ueberhaupt kann man hier auf die Polizei nicht 100%ig vertrauen. Noch ein Beispiel dafuer: Ein Unfall passiert, ein Junge ist verletzt. Das Krankenhaus gibt dem Polizisten kein Geld, wenn er den Verletzten dort hin bringt. Die Kliniken schon. Also bringt der Polizist den Verletzten in die Klinik um daran zu verdienen. Wenn die Verletzung schwer ist und das Krankenhaus direkt daneben ist, Pech gehabt! Manchmal kostet diese Zeitdifferenz das Leben.
Bei einem anderen Fall geschah ein Busunglueck. Viele Tote und Schwerverletzte, ein Polizist haelt und riegelt ab. Spaeter ist ein Autofahrer unaufmerksam und achtet nicht auf die Absperrung. Er faehrt den Polizisten tot. In seinen Taschen finden andere Beamte Wertgegenstaende der Unfallopfer!
So schlimm die Gesetzeslage auch ist, jeder weiss, wie er sich zu verhalten hat. Immer nur soviel mit sich tragen wie wirklich notwendig ist, nicht zu spaeter Stunde allein Wertgegenstaende mit sich herumtragen und wenn doch, sehr gut versteckt. Am besten auch keine Taschen, falls nicht notwendig, denn die koennen dir leicht entrissen werden. Falls doch eine Situation entsteht, in der man bedroht wird, sollte man einfach ohne Aerger zu machen alles hergeben.
Doch in Cusco ist es noch lange nicht so schlimm wie in Lima, sagen mir die Leute hier.
Ein aufregender Tag, schoen, war im Uebrigen ironisch gemeint ;-)
Ach ja, Basti, es ist der Film den du meintest.
Vroni: ich habe wegen der Hoehe keinen grossen Apettit. Das Essen ist lecker und halbwegs gesund. Vielleicht ein bisschen zuviel Kohlenhydrate. Es gibt kaum Salat. Es gibt meistens Reis mit Fleisch und Gemuese, wobei da auch oft Kartoffeln dabei sind. Das einzige, dass hier dick macht, sind die ganzen bappsuessen Getraenke (Cola, Zuckerwasser mit einem Spritzer Zitrone soll Limonade sein und das gleiche mit Tee). Weil ich weiss, dass mich fuenf Glaeser Cola am Tag auf Dauer dick machen wuerde, wehre ich mich wehement dagegen Cola zum Essen zu trinken. Ich mach mir immer einen Tee ohne Zucker. Ausserdem macht das suesse Zeug einfach noch mehr Durst. Die Leute hier leiden durch ihre extreme Liebe zum Zucker haeufig an Diabetis, andere haeufige Leiden sind Bluthochdruck und Cholesterinueberschuss. Ich sage NEIN zu Cola und JA zu Klopapier. Der Klopapierverbrauch und Kauf ist hier sehr niedrich, das habe ich auch im Heim bemerkt, wo es einmal garkeins gab! Es konnten also keine Rotznasen geputzt und keine Hintern gewischt werden. Aber das sehen die da nicht so eng.
Liebe Gruesse, bis bald!
Eure Nayra
[ 7:55 ] [ 2.9.2007 ] [ 741 Kommentare ]
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Eingewoehnung
Hallo zusammen,
zu Beginn muss ich meinen letzten Eintrag berichtigen. Gabi, das Hausmaedchen wird eigentlich ganz gut behandelt. Das kleine Maedchen ist zwar fordernd, aber zu jedem! Es ist mir nur so negativ aufgefallen, weil Gabi, das Hausmaedchen, einen so devoten Blick hat und nie widerspricht. Die Eltern gehen fair mit ihr um, sie schreien nicht und sagen auch Bitte, Danke undloben sie, wenn das Essen gut war.
Mit der Kleinen vertrage ich mich besser, als ich dachte. Zu Beginn dachte ich, dass sie nur macht, was sie will, weil sie so frech aufgetreten ist. Aber folgende Geschichte zeigt, dass es nicht so ist, und es eine Hoffnung auf eine Besserung ihres Verhaltens gibt: Die Kleine hat, von einer fixen Idee getrieben, Beton und Wasser auf den Fliesen im Flur zu viel Dreck verpanscht. Sie war gerade dabei Gabi zu sagen: komm und putz, da kam ich um die Ecke und hab ihr, mit ziemlich teatralischer Mine klargemacht, dass ich es ganz besonders schaetzen wuerde und es viel reifer waere, wenn sie den Dreck, den sie produziert hat, auch selbst wieder wegmacht. Und siehe da, sie schaute mich aus ihren grossen, dunklen Augen lange und ehrfuerchtig an, wie ein Auto. Dann schnappte sie sich mit einem charmanten Laecheln einen Besen und machte alles sauber. Spaeter, so hat es mir ihre Mutter lachend erzaehlt, hat sie es ihrem Vater erzaehlt und gefragt: lobst du mich dafuer?
Ausserdem zeige ich ihr ein bisschen Volleyball, wonach sie ganz verrueckt ist. Das ist gut, denn damit habe ich etwas, wofuer es sich fuer sie lohnt, liebenswert zu sein. Aber eigentlich ist das garnicht noetig, denn sie hat mich, in den wenigen Tagen, schon lieb gewonnen und ist sehr nett und umgaenglich. Eine richtige kleine Schmusekatze ist sie auch, gestern abend haben wir zusammen mit ihren Eltern einen Film gesehen und Rommy hat sich an mich gekuschelt, wenns spannend wurde, hat sie meine Hand gedrueckt. Ich glaub ich habe sie schon fast ein bisschen lieb gewonnen;-)
Der Obere Teil des Hauses gehoert den Eltern, bisher habe ich mich nicht getraut zu klopfen, weil ich dachte, es stoere ihre Privatsphaere. Doch seit gestern weiss ich, dass ich da ein und aus gehen kann. Die Mutter schlief im Bett, der Vater machte irgendwas am PC und Rommy und ich tanzten Salsa zu einem Homevideo. Und das ist normal dort!!! Auch wenn ich ab und zu meine Ruhe brauche, bin ich sehr froh, dass sie das hier so handhaben. Denn ich fuehl mich nicht so allein, eigentlich sogar richtig wohl mit diesen Menschen. Bin froh, dass ich immer zu ihnen gehen kann, wenn mir langweilig ist und ich Gesellschaft brauche. Spaeter am abend haben wir einen Film gesehen und eine Pizza bestellt. Alle sassen oder lagen wir in dem Doppelbett und haben Batman, die wahre Geschichte gesehen, Pizza gegessen und geplaudert. Es war wirklich nett, gemuetlich, einfach familiaer.
Auch Gabi sitzt auf einem kleinen Hocker und sieht ruhig mit.
Also hier noch einmal: ich habe das mit Gabi am anfang zu stark gedeutet, zu ernst genommen. Es war nur ein Ausschnitt der Wahrheit.
Des weiteren kann ich berichten, dass ich regelrecht merke, wie mein Wortschatz sich vergroesert und es mir immer leichter faellt schnell zu sagen, was ich sagen will. Das macht mir unheimlich Freude.
Einen lieben Gruss an alle und Danke fuer die vielen Komentare,
Gruss, Nayra
[ 9:22 ] [ 31.8.2007 ] [ 5 Kommentare ]
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In Cusco
Hi meine Lieben,
Danke fuer eure netten Komentare. Das mit Chica freut mich sehr, Steffi! Martin, du hast zuviel Phantasie , so schlimm kommt mein Eintrag hoffentlich nicht fuer jeden rueber.
Heute war mein erster Arbeitstag. Es stellte sich heraus, dass das Kinderheim doch fuer behinderte Kinder ist. Ich hab damit kein Problem, nehme mal einfach was kommt.
Das Heim, eigentlich sind es zwei Haeuser, ist schoen, erinnert mich fast ein bisschen an Waldorfs . Ich habe heute einem Maedchen (Pilar, ca.18) geolfen einige Schreibuebungen zu machen. Sie kann ihre Hand nicht praezise fuehren und muss deshalb feinmotorische Uebungen machen. Ich fuehrte ein bisschen ihre Hand, und wir verbanden Punkte auf dem Papier. Immer wenn ich sie lobte, freute sie sich riesig. Dann wollte ein kleines Maedchen unbedingt, dass ich sie auf den Schoss nehme, als ich das tat, fuehlte es sich schoen warm an, sie hatte in die Hose gepinkelt und mich damit beglueckt. Naja, da simma ma nich so heikel, wa? Ein kleiner Junge, der immer "Titi" sagt, hasst mich. Er weigerte sich zu laufen als es im anderen Haus Essen gab und ich musste ihn tragen. Spaeter beim Essen (es gab Quinua) hielt er mir die ganze Zeit seinen Loeffel hin, bis ich ihn nahm und ihm helfen wollte. Doch dann packte ihn der Zorn und er nahm ein Haendchen voll Quinua und schmiss damit nach mir. Er verfehlte mich. Weitere Taetigkeiten die ich heute veruebte waren: beim Klogang assistieren, Rotznasen putzen und Hosen wechseln.
Alles in allem glaube ich, dass das noch ganz interessant werden wird, ich glaube, dass ich da schnell reinkommen werde.
Weiter habe ich zu berichte, dass das Maedel (Rommy) bei mir zu Hause ziemlich ungezogen ist. Sie geht ziemlich herrscherisch mit dem Hausmaedchen Gabi um. Die Arme ist aus dem Hochland, ist schuechtern und spricht schlechter Spanisch als ich. Sie ist es gewohnt von der Familie Befehle entgegen zu nehmen und wagt es nicht, der Kleinen etwas abzuschlagen. Dieser altkluge und erhabene Ton in dem die Kleine mit ihr spricht, macht mich regelrecht wuetend. Wenn sie Lust hat mit ihr Ball zu spielen, muss sie ihre Taetigkeiten unterbrechen und mit ihr spielen, oder sie sagt ihr was sich beim essen gehoert und was nicht, obwohl sie selbst auch nichtdie besten Manieren hat. Und ihr wisst ja, wie das bei mir ist, wenn ich irgendwo "Unrecht" sehe, kann ich mich kaum zurueckhalten, ich will einfach was sagen, ihr am liebsten eins auf den Deckel geben. Aber ich weiss, dass das hier nicht angebracht ist. Es war vor meiner Ankunft so, und es wird auch so sein, wenn ich wieder weg bin. Es ist nicht meine Sache die Goere zu erziehen und ihr Respekt gegenueber Aelteren oder generell Menschen beizubringen. Wenn ich was sagen wuerde, wuerde ich vielleicht jemanden gegen mich aufbringen. Es ist hier wohl normal, das man mit dem Personal so umgeht. Aber es aergert mich trotzdem. Es geht schon so weit, dass ich die Kleine nicht leiden kann. Natuerlich halte ich mich zurueck. Ich habe absolut kein Problem damit, mich ein halbes Jahr nur oberflaechlich mit ihr zu verstaendigen, sie nicht zu moegen. Naja, ich warte mal ab und hoffe, dass die Kleine mir noch eine Seite von sich zeigt, die mir etwas sympatischer erscheint.
[ 12:45 ] [ 28.8.2007 ] [ 30 Kommentare ]
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Alles okay
Hallo meine lieben Freunde,
Leider komme ich erst jetzt dazu, euch ausfuehrlich zu schreiben, es ging leider nicht frueher, entschuldigung.
Mein Flug war echt fuerchterlich! Von Deutschland nach Paris war es ja noch okay, aber waehrend des Fluges nach Kolumbien wurde es mir immer uebler. Zum Glueck sass ein echt netter Amerikaner neben mir, der mich ein bisschen ablenkte und mich auch mit Lebensmitteln bestens versorgte. In Kolumbien war ich heilfroh, endlich wieder Boden unter den Fuessen zu haben, ach, wie ich meine Pachamama (Muttererde auf Quechua) liebe! Mir war also ziemlich uebel und ich hatte nicht viel Zeit zum umsteigen, da der Flug Verspaetung hatte. Und es war nicht ersichtlich, wohin ich gehen sollte, auf Fragen hin, haben sie mich bereitwillig in die falsche Richtung geschickt. Aber ich hab es dann zum Glueck noch geschafft, mich durchzufragen. Ich sass dann im Flieger und wusste nicht, ob ich gluecklich oder ungluecklich darueber sein sollte, weil mir noch immer so uebel war. Ich schloss nur die Augen und hoffte, dass es bald besser wuerde. Der Mann neben mir, hat sich auch ganz lieb um mich gekuemmert und den Flugbegleiter gerufen, als ich eine neue Kotztuete brauchte.
In Lima angekommen (19 Uhr ortszeit) fuehlte ich mich schwach, muede (es waren 19 Std Flug und die Nacht davor habe ich nur 4 Std geschlafen) und mir war noch ein bisschen schlecht. Als ich mein Gepaeck hatte und den Wisch fuer mein Visum ausgefuellt hatte, erinnerte ich mich daran, dass ich ja hinter der Absperrung bleiben sollte, bis ich das Schild mit meinem Namen lese. Ich wartete 20 Minuten und dann war ich mir fast sicher: da wird niemand mehr kommen! Ich hab mich dann doch vor die Absperrung gewagt, wo ziemlich viel los war. Ich ging Geld wechseln (die dortige Waehrung ist Soles, 1 Euro sind ca. 4 Soles) um die Frau anzurufen, die mich abholen kommen sollte. Sie nahm auch sofort ab und sagte: "ach, Nayra, wie schoen, dass du anrufst. Wann kommst du nochmal nach Lima?", etwas trocken und heimlich leicht veraergert (nach so einem Flug auch das noch) antwortete ich, dass ich jetzt am Flughafen stehe. Sie sagte ich solle mich nicht vom Fleck ruehren und auf ihre Schwester Rocio warten, die nahe am Flughafen wohnt. Ich wartete also wieder hinter der Absperrung, bis sie mich abholten. Rocio, 38 jahre alt, sehr huebsch, brachte noch ihren Mann Julio und ihre Tochter Kyara (7Jahre) mit. Noch bevor wir ankamen, war ich schon Kyaras Hermanita (Schwesterchen).
Rocio und ihr Mann sind sehr nett und lustig. Wir telefonierten mit Martha (die mich eigentlich abholen sollte) und sie sagte, sie haette mich erst einen Tag spaeter erwartet. Sie hat wohl gerade ziemlich viel um die Ohren, da sie auch im Erdbebengebiet mithilft. Wir machten deshalb aus, dass ich bei Rocio und ihrer Familie bleibe. Ich hatte ein offenes Zimmerchen in der Wohnung nebenan, bei der Oma Delia.
Ich schlief super ein und merkte nichtmal, dass sie mir eine zweite Decke ueberlegten. Doch ich war um punkt halb sieben wieder wach, wegen der Zeitumstellung von 7 Stunden. Klar, denn in Deutschland war es ja schon halb zwei. Duchen konnte ich mich nicht, da sie kein warmes Wasser haben, es wird also Wasser gekocht un in einem Eimer mit kaltem Wasser gemischt, dann mit einem Becher ueber sich gelehrt. Es ist zwar nicht so schoen wie ne viertelstunde unter der warmen Dusche zu stehen, aber man wird genauso sauber.
Wir fuhren in ein grosses Einkaufszentrum, um mir ein Handy zu besorgen. Rocio wuergte beinahe jedes mal beim Anfahren ab, aber ich dachte mir: sie faehrt jeden Tag ihre Tochter abholen, es wird jetzt nichts passieren, wenn bisher nichts war. Wir fanden also ein Handy und auf der Rueckfahrt kamen wir an eine Hauptstrasse, dicht befahren, nur Rechtsverkehr. Doch sie sieht nach links und wird nicht mal langsamer. Als mir klar wird, dass doch was passieren wird, wenn sie nicht hinsieht, rufe ich: vorsicht! Sie sieht nach rechts, verlangsamt und wir kollidieren trotzdem mit einem Kleinbus. Ihr linkes Vorderlicht und das linke Hinterlicht des Busses waren einmal. Ein kleines Maedchen, ca. 10 und in Schuluniform (die haben sie dort alle) klatschte begeistert in die Haende und sagte zu seiner Freundin: Toll, das ist der erste Zusammenstoss den ich gesehen habe! Meine Fahrerin allerdings ist weniger begeistert. Die Haende noch immer am Lenker schliesst sie die Augen um sich zu sammeln. Es wird sie sehr viel kosten, da dort fast keiner (oder keiner?) eine Autoversicherung hat, muss sie fuer beide Schaeden selbst aufkommen, und das, wo ihnen das Geld nur gerade so reicht. Sie nimmt mir das Versprechen ab, dass ich nichts davon sage, wenn jemand fragt, ist es beim Einparken passiert.
Ihr muesstet dort den Verkehr erleben!!! Ein Durcheinander und Gekaempfe ohnegleichen. Einige Autos sehen aus, als ob sie nach 10 Jahren aus dem Teich gezogen worden waeren. Und von TUEF hat hier sicher noch niemand gehoert! Wenn das Auto noch alle Lichter und seine Hupe hat und noch fahren kann, dann darf es fahren. Sie fahren schnell, ruecksichtslos, es reicht sehr oft nur knapp und dann noch dieses Gehupe! Sie blinken kaum, dafuer aber hupen sie. Man benutzt dort die Hupe um einem Auto, das auf der anderen Spur ist und wechseln will zu vermitteln: Achtung, hier bin ich, du kannst jetzt nicht wechseln! Und in all der Hektik laufen Menschen auf der Strasse herum, wenn die Ampel rot ist laufen sie durch die Autoreihen und verkaufen Suessigkeiten. Teilweise auch mit Kindern auf dem Ruecken, diese Menschen versuchen irgendwie ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen.
Die Nacht ist ziemlih kalt, und ich bin so dankbar, dass ich so schoen warme Sachen mitgenommen habe. Auch tagsueber ist es ungemuetlich kalt, da die Sonne nie rauskommt. Lima ist immer ueberdeckt von einer grauweissen Wolkendecke, auch wenn es gar nicht regnet.
Erst gingen wir ins historische Museum, dann zeigte mir Rocio die Stadt Baranco (mit dem Taxi, da das Auto noch kaputt ist, das kostet nicht viel und ich fuehle mich sicherer). Mein Vater lebte dort laengere Zeit. Es liegt am Meer, doch an der Kueste sind steile, riesige Felshaenge. Die Straesschen sind gepflastert und fuehren steil bergab in Richtung Kueste. Die Gebaeude sind in einem kolonialen, spanischen Baustil gehalten, jedoch schon etwas heruntergekommen. Es ist romantisch und im Sommer in der Nacht muss es wunderschoen sein, die Restaurants bieten ein schoenes Nachtprogramm an. Dann holen wir Kyara von der Schule ab (schon in den kleineren Klassen haben sie jeden Tag Nachmittagschule) und fahren in ein Restaurant um Huehnchen und Pommes zu essen, dieses Gericht heisst Pollo a la braza, sie sagt es sei typich peruanisch. Dann brachten wir Kyara ins Ballett. Waehrend wir warteten und zusahen, erzaehlte sie mir die Geshcichte ihrer Tochter. Als sie zur Welt kam, konnte sie sich nicht bewegen und nicht hoeren. Sie sagten ihr, es wuerde immer so bleiben. Doch durch viele sehr kostspieligen Therapien, lernte sie es doch. Nun braucht sie regelmaessigen Sport fuer ihre Gesundheit, die noch immer nicht wie die eines normalen Kindes ist. Ich haette ihr das garnicht angemerkt, sie ist redselig, aufgeweckt, suess und sehr intelligent. Sie spricht, als haette sie Rhetorik studiert, von ihr kann ich noch viel lernen. Ihre Eltern gehen sehr fuersorglich und liebevoll mit ihr um. Sie ist ihr einziges Kind, mehr koennten sie sich nicht leisten. Sie sagen, es sei besser nur ein Kind zu haben, um ihm alles geben zu koenne. Hier in Peru gibt es staatliche Schulen, aber die bilden die Kinder nicht gut genug aus. Man zahlt hier fuer gute Bildung. Kyara ist auch auf einer Privatschule, die nicht billig ist. Ihre Mutter arbeitet im Restaurant (Dekoration am Vormittag, abends bis spaet in die Nacht als Bedienung) und ihr Vater Gelegenheitsarbeiten (er ist staendig unterwegs), Urspruenglich arbeitete er in der Bank, doch die mussten Leute entlassen und es traf ihn. Sie fragten mich an einem Abend, wie der Arbeitsmarkt in Deutschland ist, was soll ich antworten, eigentlich ist es gar nicht so schlecht. Das Gehalt, dass ich in der Extrawurst bekam ist hier ein Traum! Sie wollen emigrieren, da das Leben hier teuer sei und es keine Arbeit gebe. Das Problem ist dabei auch ein Visum zu bekommen.
Zuhause angekommen, gab es wieder Essen. Es tat mir sooo leid, Delias Essen nach der Haelfte stehen zu lassen, aber ich hatte einfach keinen Hunger mehr. Sie liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, laesst nicht zu das es mir an irgendetwas fehlt, sie kuemmert sich mit einer muetterlichen liebevollen Fuersorge um mich. Wenn ich ihr sage, dass es lecker ist (was absolut der Wahrheit entspricht) freut es sie sehr.
Am naechsten morgen besucht Rocio mit mir das Zentrum Limas. Lima ist so riesig, manche Gegenden sind sehr arm (Wellblechhuetten, Staub, Dreck, Muell, alles in einem braunton), manche weniger (wo Rocio wohnt z.B, es ist weder arm noch reich, es faellt mir dabei auf: nur die der Strasse zugewandten Hausseiten bekommen einen Anstrich). Das Zentrum erscheint mir irgendwie amerikanisch, doch heruntergekommener und bunter, es gibt viele grosse Haeuser, viele Kolonialbauten. Wir besuchen ein Kloster mit Katakomben. Man fand dort unten in frueheren Zeiten Foeten, es wird vermutet, dass die Nonne und Moenche sich dort heimlich trafen. Die Fuehrerin ist winzig und unglaublich huebsch, sie macht ihre Sache sehr profesionell, doch wenn sie sich umdreht, um uns in eine andere Richtung zu fuehren, singt sie leise irgendein suedamerikanisches Liebeslied vorsich hin. Staendig habe ich mich gefragt: was ist das, wo kommt das her? Es ist mir so komisch vorgekommen, weil das nicht passte zu der korrekten Art mit der sie uns alles erklaehrte. Aber das gibt es hier heufig, dassdie Frauen irgendwo anfangen zu singe, voll normal! Dann gingen wir in ein anderes Kloster. Die Frau, die uns fuehrte (erst hielt sie mich fuer 15, und das, obwohl ich hier mit meiner Groesse fast alle ueberrage)erzaehlte uns viel ueber einen Heiligen (San Martin), der in diesem Kloster lebte und in den 60 ern starb. Sie lies keinen Zweifel aufkommen, dass all die Wunder und Geschichten der Wahrheit entsprechen, die sie ueber ihn erzaehlen. Sie ist sehr glaeubig und fragte mich, ob ich Tiere mag, als ich bejahte, sagte sie, es sei sehr wichtig viel mit Pflanzen und Tieren zu machen, da diese uns reinigen wuerden. Rocio fragte sie, ob irgendetwas am Kloter Schaden genommen haette, die Fuehrerin sagte, dass sie zu San Martin gebetet haette und alles heil geblieben waere.
Es faellt mir hier auch ganz extremauf, wieviele Menschen an Gott glauben. Alle glauben, duch alle Altersgrenzen und sozialen Schichten hindurch glauben die Menschen sehr offensichtlich. Ich habe junge Frauen wie auch Maenner in Geschaeftsanzuegen sich auf der Strasse bekreuzigen sehen, als sie nur an der Kirche vorbeiliefen!
Dann waren wir noch ein Ceviche (Salat aus rohem Fisch und anderen Meeresfruechten) essen, sehr gut, aber der meines Vaters ist besser. Wir holen Kyara ab und fahren nach Hause, diesmal mit dem Bus, das ist interessant! Sie halten ueberall wo sie vorbeikommen und jemand die Hand zur Strasse rausstreckt und fuchtelt, es ist sehr billig. Zuhause angekommen, lerne ich die Schwester von Julio, ihren Mann und ihren Sohn kennen. Eine sehr lustige Familie, wir haben die ganze Zeit gelacht und uns gut unterhalten. Die Leute hier habe eine ganz besondere Art lustig zu sein; es ist ein sehr schneller Humor, direkt und ein bisschen frech, dann aber doch liebevoll. Das Castlliano (Spanisch hier) unterstuetzt das sehr, es wird viel mit Verniedlichungsform gesprochen, was einen derben Witz noch lustiger und liebevoller erscheinen laesst. Das ist wirklich absolut anders als der deutsche Humor. Dann habe ich noch gelernt, wie man Pisco saur zubereitet (sie betonen: er kommt aus Peru, nicht aus Chile!), dass werde ich euch allen als erstes zeigen, wenn ich wiede da bin, er wird euch schmecke, versprochen!!!
Leider habe ich nicht so viele Fotos von der Umgebung, nur welche von Limazentrum und Baranco, weil ich immer das Gefuehl hatte, dass ich Rocio beleidige, wenn ich etwas fotografiere, was nicht schoen aussieht. Die Menschen habe viel stolz und auch Nationalgefuehl, doch auch sie sehen die Unterschiede zu Europa oder Amerika und sprechen sie fast verschaemt und entschuligend an, so dass ich mich nicht traue, Fotos von heruntergekommenen Vierteln zu schiessen.
Am naechsten Tag verabschieden wir uns sehr herzlich, ich werde wohl bevor ich nach Deutschland zurueckkehre nochmal bei ihnen vorbeischauen. Als ich mich am Flughafen von ihnen verabschiede, nennen sie mich Hija (Tochter).
Ich bin froh bei ihnen gewesen zu sein, sie haben mir viel beigebracht, z.B. wie man Geld wechselt ohne uebers Ohr gehauen zu werde, oder wie man um Preise feilscht. Sie haben mich auch ueber die Gefahren aufgeklaehrt, die es hier gibt. Rocio erzaehlte mir, es gibt Taxifahrer denen klingelt das Handy und sie geben es dir, damit du rangehst. Wenn du es am Ohr haeltst haut dich ein elektrischer Schlag um und macht dich bewusstlos, sie rauben dich aus und schmeissen dich irgendwo raus. Oder es kommt einer auf der Strasse auf dich zu und bittet dich, fuer ihn, weil er schlecht sieht eine nummer in sein Handy einzutippen. Du tust alles und gehst weiter, ploetzlich wird deine Hand, dann dein ganzer Arm taub und schliesslich faellst du ohnmaechtig um, weil auf dem Handy ein Zeug war, das du ueber die Haut aufgenommen hast. und sie rauben dich aus.
Im Flugzeug wird es mir sofort wieder schlecht, doch ich halte durch bis Cusco. Dort holt mich Jhon und seine 9-jahrige Tochter Rommy ab. Sie haben ein grosses Haus, an dem gerade Umbauarbeiten gemacht werden.Ich bekomme ein eigenes Zimmer im Erdgeschoss. Eine Huendin haben sie namens Harry, die vor lauter Freude auf die Treppe pinkelt und dann mit spitzen Krallen an uns hochspringt. Sie hat nen leichten Schatten, seit sie von Jhon einen mit dem Besen uebergebraten bekam (sie ist abgehauen). Niemand geht mit ihr spazieren, da die Strassenhunde (von denen es hier eine Menge gibt) sie beissen und besteigen wuerden. Ich trtinke einen Kokatee und merk, wie die Hoehe an meinem Kreislauf zerrt. Bald schon lieg ich flach und kann mich kaum aufsetzen , weil mir schwindelig und uebel ist. Ich fuehle mich immernoch wie im Flieger. Jhon bringt mir eine Tablette die ich dankbar annehme (fuer den Kreislauf) und bald schlafe ich, ich war nicht mal faehig mich richtig umzuzuiehen oder die Zaehne zu putzen.
Am naechsten Tag wache ich schon wieder um 7 auf und unternehme einige Versuche aufzustehen, die mir anfangs missgluecken, da mir schwarz vor Augen wird und mir die Puste fehlt. Doch dann glueckt es irgendwann und ich lerne die Frau von Jhon kennen und Gabi. Gabi ist eine Haushaltshilfe, sie ist 14 und kommt irgendwo aus dem Hochland. Sie spricht schlechter Spanisch als ich, ihre Muttersprache ist Quechua. Man nennt diese Frauen hier auch Cholitas, kein Begriff den man gebrauchen sollte, da er auch zu Beschimpfungszwecken gebraucht wird. Sie sieht sehr charakteristisch aus fuer die Menschen im Hochland (sie haben sich noch nicht so sehr mit anderen Rassen vermischt): Sie ist rund und traegt einen Rock, der sie noch runder wirken laesst, sie hat rote Baeckchen und grellfarbene Pullis an, ihre Haare traegt sie geflochten. Sie redet sehr leise mit einer Kinderstimme und wenn man versucht ein Gespraech mit ihr zu fuehren laechelt sie schuechtern und sagt ja oder sie bietet dir etwas zu essen oder zu trinken an. Sie muss einsam hier sein, andrerseits scheint sie froh zu sein ueber die arbeit. Sie putzt das ganze Haus allein und kocht jeden Tag alle Malzeiten.
Nach dem Aufstehen geht es mir allmaehlich wieder besser, wir gehen in die Stadt und trinken Saft. Das glaubt ihr nicht, was es hier fuer grosse, leckere, seltene Fruechte es gibt. Sie verkaufen hier Karaffen voll frischgepresstem Saft fuer 30-50 Cent, die sind sooo lecker. Vitamine muss ich hier definitiv nicht schlucken!
[ 8:31 ] [ 26.8.2007 ] [ 2456 Kommentare ]
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Vorfreude
Hi an Alle!
Bin grad echt nicht in Packlaune, ich weiß aber auch, dass es sein
muss, bald! Bin einfach zu verträumt, zu gar nichts fähig außer zu
träumen. Faule Ausrede, denken sich da manche, so macht sie sich`s aber
leicht. Dazu muss ich sagen: stimmt. Und ich weiß, sobald ich hier
loskomme, fange ich an mich um meine Klamotten zu kümmern. Dann breite
ich alles auf meinem Bett aus und mache Stapel, teile in Kategorien
ein: Mitnehmen, Nicht mitnehmen aber behalten, Mülleimerreif, zum
Verschenken (aber eigentlich bin ich meistens das letzte Glied der
Verschenk-kette, was ich von andren nehme, ist oft genug schon halb
mülleimerreif).
Trotzdem, eigentlich hab ich schon ganz schön viel gemacht. Vorallem
stolz bin ich darauf, dass ich es endlich geschafft habe, mich von
meinem Krimskrams zu befreien, an dem ich doch so hänge.
Postkarten zum Beispiel, wenn ich`s mir so überlege, eigentlich eine
ziemlich blöde Erfindung. Ich geb mir voll den Stress, wenn ich im
Laden stehe und überlege, ob ich nun die mit der Landschaft oder die
mit der Hauptstadt nehmen soll. Dann auch noch das Schreiben! Der Platz
reicht nämlich nicht aus, um etwas wirklich sinnvolles zu schreiben
(Hallo Inge, hier schönes Wetter und viel Erholung, bis bald, Tschüss).
Und weil ich das doch jedesmal versuche, merke ich zum Schluss, dass
der Platz nicht ausreicht, also wird die Schrift immer kleiner. Das
sieht dann wieder blöd aus, und was wichtiges steht immernoch nicht
drin.
Dann das Wegbringen, das vergesse ich meistens. Oder aber ich bin nach
dem Schreiben der Postkarte so erschöpft, dass ich es nicht mehr
schaffe, eine Briefmarke zu kaufen. Das Ende der Geschichte: Jemand
bekommt (eventuell) die Postkarte und denkt sich: toll, eine schöne
Karte. Ich hab sie eine Zeitlang an die Wand geklebt, aber das ist nur
in Maßen schön. Und irgendwann, wenn die Wände voll sind, fang ich an
zu sammeln. Doch beim Aufräumen und Sortieren stolpere ich jedes Mal
über die Berge von Postkarten, die mein Chaos ausmachen. Über jede
einzige habe ich mich gefreut, und nun sind sie eine Plage. Aber wohin
damit? Wegschmeißen? Das ist das einzig sinnvolle, glaubt mir. Es war
schwer, mein Herz hat geblutet, so viele Erinnerungen, so viele schöne
Bilder. Aber es muss sein. Und nun, nun fühle ich mich wie eine
gehäutete Schlange, nackig und sauber, wie eine neue Schlange,
praktisch wie neu geboren.
Mit schwindendem Eigentum fühle ich mich freier.
So, jetzt drücke ich mich aber nicht mehr und fange jetzt endlich an zu Packen.
[ 2:13 ] [ 18.8.2007 ] [ 1284 Kommentare ]
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